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Kein Konsens: Oberhessen-Jäger und Tierschützer diskutieren

 

Grünberg (dis). Unterm Motto »Fakten statt Wunschkonzert« hatte die Jägervereinigung Oberhessen zu einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zur geplanten Novelle der Jagdverordnung in Hessen geladen. Mit auf dem Podium auch Vertreter des Tierschutzbeirats der Landesregierung. Was zu erwarten war: Einen Konsens gab es nicht.

 

Rund 500 Besucher, in der Mehrzahl wohl Mitglieder
von Jagdgenossenschaften, füllten die Gallushalle.
 
 
Was nicht nur die »Oberhessen-Jäger« mit ihrem Vorsitzenden Helmut Nickel aufbringt, sind Forderungen – etwa des Landestierschutzbeirats der Landesregierung –, wonach in der Verordnung unter anderem der Abschuss wildernder Hunde und streunender Katzen sowie die Fallenjagd untersagt werden sollte. Für dieserart Forderungen warben etwa 40 Vertreter von »TierfreundLich« mit Transparenten vor der Halle.

Als erster Referent trat Dr. Marcel Holy (Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer) ans Mikro. Sein Thema: Raubwildbejagung und Artenschutzmaßnahmen. Er verwies auf die starken Veränderungen in einer zunehmend effektiven Landwirtschaft. Damit einher aber gingen Defizite im Naturhaushalt, etwa Trockenlegungen von Feuchtgebieten.

»Die Nesträuber stoppen«

Durch die starke Zunahme des Fuchsbestandes, so Holy weiter, seien Bodenbrüter wie Rebhuhn, Kiebitz und Wachteln gefährdet. Ein Versuch mit Kunstnestern habe gezeigt, dass nach zehn Tagen 90 Prozent der Eier verschwunden waren. Das Ausweisen von Schutzgebieten reiche für bestimmte Arten zur Bestandserhaltung nicht aus: »Man muss die Räuber stoppen.«

Dr. Daniel Hoffmann von »Game Conservancy Deutschland« (GCD) sprach zum »Artenschwund durch wildernde Hauskatzen«. Ein delikates Thema, räumte er ein, denn Katzen fänden sich überall, seien auch nicht zu erziehen. Bei starker Vermehrung störten sie erheblich einen ausgeglichenen Naturhaushalt, wie das Beispiel Borkum zeige. Der Verluste bei bestimmten geschützten Tier- und Vogelarten in suburbanen Systemen durch Katzen bezifferte Hoffmann mit bis zu 50 Prozent. »Hier hilft nur das Fangen.« Streunende Katzen bewirkten überdies eine schleichende Ausrottung heimischer Wildkatzen durch Hybridisierung. Der GCD-Vertreter forderte für eine europaweite Kastrations- und Registrierungspflicht sowie ein Freilaufverbot.

Prof. Michael Lierz (Universität Gießen) sprach über »Tierschutz und Lebendfallen«. In Paragraf 1 Tierschutzgesetz sei die Verantwortung des Menschen für das Mitgeschöpf mit gleichen moralischen und biologischen Kriterien verankert. Dem Schutz bedrohter Arten dienten humane Fangmethoden, die in einem internationalen Abkommen niedergelegt wurden. Bedauerlich sei, dass es in Deutschland noch keine Fallen-Zertifizierung gebe. Betonrohrfallen mit Meldesystem zeigten gute Ergebnisse. Dies diene auch der Reduzierung von Waschbären. Die Tiere werden nach der Entnahme aus der Rohrfalle getötet und untersucht. Dass er auch die Jagd auf diese Kleinbären für erforderlich und wirksam erachte, dies aus eigener Erfahrung belegen können, merkte dazu Helmut Nickel für den heimischen Jagdverband.
 

06.03.2015
Giessener Allgemeine

 

 


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