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Voll besetzt war die Grünberger Gallushalle, in der es um die Jagd und neue Pläne der Gesetzgebung ging.

 

Halali – Jäger fühlen sich als Gejagte

 

DISKUSSION 500 Besucher in der Grünberger Gallushalle zur Debatte über neue Verordnungen, Tierfallen und Schonzeiten für Waschbären

 

KREIS GIESSEN - (inf). Die Jäger in Hessen sind sauer. In wenigen Wochen soll die neue Jagdverordnung in Hessen auf den Weg gebracht werden. Und in dieser gibt es etliche Forderungen des Tierschutzbeirates, die die Jäger so richtig auf die Palme bringen: Denn die Umweltschutzverbände fordern ein Abschussverbot für Haustiere, vornehmlich für im Wald streunende Hunde, das Verbot der Jagdhundausbildung am lebenden Tier, Verbot der Fallenjagd in Hessen und eine Schonzeit für Waschbären. Dem gegenüber stehen die hessischen Jagdverbände, die diese Forderungen als absolut kontraproduktiv für den Artenschutz und die Gesunderhaltung der durch den Mensch mittlerweile stark veränderten Ökosysteme werten. Für sie sind die Forderungen des Tierschutzbeirates „ideologische, eher emotionale Forderungen“ anstatt auf wissenschaftliche Fakten zu bauen. Um sich so richtig Luft zu machen, hatte die Jägervereinigung Oberhessen am Mittwochabend zu einem Vortragsabend mit anschließender Podiumsdiskussion in die Gallushalle nach Grünberg geladen. An die 500 Gäste, zum Teil sogar aus Südhessen, waren dem Aufruf gefolgt – neben einer Hand voll Tierschützern, die vor dem Eingang demonstrierten.

 

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Helmut Nickel, Gastgeber und Vorsitzender der
Jägervereinigung Oberhessen.
 
 

Wissenschaftliches

Nach diversen wissenschaftlichen Vorträgen sollte Gelegenheit zur Diskussion bestehen, um möglicherweise eine Annäherung in den beiden doch sehr konträren Positionen zu erreichen. So stand die Veranstaltung unter dem Motto „Fakten statt Wunschkonzert“, denn die neue Jagdverordnung droht nach Ansicht der Jägervereinigung Oberhessen zu ebenso einem „emotionalen Musikstück“ zu verkommen. So zumindest der Vorwurf, den der Verein den Vertretern der unterschiedlichen Tierschutzverbänden, die über den Entwurf mitentscheiden, macht.

Größter Stein des Anstoßes ist gerade bei den Jägern das vom Tierschutzbeirat geforderte Verbot der Fangjagd durch Fallen. Dabei sind gerade Fallen eine Möglichkeit, Tiere „ohne großen Stress“ und artgerecht zu fangen, wie Prof. Dr. Michael Lierz, seines Zeichens Fachtierarzt für Zoo-, Wild- und Gehegetiere, empfiehlt. Lierz weiß, wovon er spricht, denn er engagiert sich im Artenschutz und ist Mitglied im Arbeitskreis Wildtierbiologie. Fehlfänge wie das geliebte Haustier können so wieder in die Wildnis entlassen werden und die gefangenen Beutegreifer ohne Blessur aus den Fallen befreit und ohne unnötig großes Leid getötet werden. Dies lassen zumindest Studien vermuten, die zurzeit vom Arbeitskreis Wildtierbiologie in der Justus-Liebig-Universität durchgeführt werden. Und dass Fallenjagd mit modernen Fallen durchaus funktioniert, zeigt die Arbeit der Wissenschaftler. „Als wir die Tiere entnahmen, haben alle ruhig in ihrem Fangkäfig gesessen“, so Lierz.

Dabei setzen die Forscher vor allem auf moderne Betonröhrenfallen, in denen sich die Tiere nicht verletzen können, da diese keine scharfen Kanten oder engmaschigen Netze besitzen. Zudem sind diese auf Wunsch sogar mit einem Sender ausgestattet, der den Jäger beim Auslösen der Falle informiert. „So verhungert kein Tier mehr in der Falle“, sagte Lierz. Die Tierschutzverbände kontern jedoch dagegen, dass das Fangen von Tieren in Fallen unmenschlich sei – da Fallen in Deutschland noch immer nicht einer strengen Kontrolle nach einer zertifizierten Norm unterliegen und somit Hinz und Kunz im Internet irgendwelche in China gefertigten Produkte bestellen könne, bei denen auch Haustiere einem grausamen Ende entgegen tapsen könnten.

 

Selbstregulierend

Doch auch im Bereich Arterhaltung findet der Tierschutzbeirat die Jagd auf Beutegreifer unnötig. Sie setzten bei der Populationsregulation auf Kastration, Impfköder, Seuchenausrottung und die Selbstregulation des Räuber-Beute-Systems. Faktoren, „die in einem gesunden Ökosystem auch funktionieren, wie die Jahrtausende zeigen“, mahnte Marion Selig, die Vorsitzende des Tierschutzbeirates der Hessischen Landesregierung. „Doch der Mensch hat mittlerweile die Umwelt stark verändert – und darauf müssen wir reagieren“, fasst es Moderator und Biologe Dr. Michael Petrak (Leiter Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadensverhütung in NRW) zusammen. Denn mittlerweile begünstige die allumfassende Nahrungsquelle „Müll“ den sprunghaften Populationsanstieg von Waschbär, Fuchs und Co. Und gerade diese Fleischfresser, für die mittlerweile kein natürlicher Feind mehr existiert, machten zum Beispiel Bodenbrütern oder der seltenen Sumpfschildkröte das Leben recht schwer. Dass Artenschutz durch Regelung der Populationsstärke von Raubtieren doch funktionieren kann, zeige das Beispiel des Naturschutzgebietes Dümmer, vorgestellt durch Dr. Marcel Holy. Denn hier hat Bejagung dazu geführt, dass sich vor allem die Populationen der Bodenbrüter wieder erholten. „Wenn ihr Hobby ist, Tiere zu töten, dann bitte. Aber deklarieren Sie dies nicht als Tierschutz“, erklärte Dr. Heidi Bernauer-Münz aus dem Tierschutzbeirat. Denn ein weiteres sensibles Thema wurde an diesem Abend angeschnitten: Die Gefährdung der heimischen Wildtiere durch verwilderte Haustiere. „Es geht hier nicht um unsere geliebten Heimgenossen“, betonte Dr. Daniel Hoffmann, „sondern um ihre mittlerweile wieder entlaufenen, halbwilden Exemplare, die Tiere reißen, um zu überleben“. Dass die Wildschäden durch verwilderte Minkas und Bellos immens sind, zeigt eine Studie: Über 3000 Rehe sollen im Jahr 2014 auf das Konto von wildernden Hunden gehen. Grund genug für die Jäger „den Abschuss von diesen wildernden Hunden als letzte Maßnahme“ zu fordern.

 

Besitzergreifend

Zusätzlich wollen sich die Jäger ein Recht auf das Jagen nicht nehmen lassen. „Die Jagd ist unabdingbarer Bestandteil des Eigentumsrechts. Wer daran tastet, greift ins Eigentumsrecht ein. Und das lassen wir uns nicht nehmen“, sagt Armin Müller, Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes und Vorsitzender des Verbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer in Hessen. Bereits seit 167 Jahren habe das deutsche Jagdrecht Bestand und ruhe auf den drei etablierten Säulen „Land – Forst – und Jagd“ – und sei damit die Basis dafür, dass Landeigentümer zum Beispiel für Wildschäden entschädigt werden – oder halt selbst zur Flinte greifen. Würde dieses Recht wegfallen, dann „könnten viele Pächter von Land innerhalb von drei Jahren das Bündel packen und aufgeben“, so Stephan Wunderlich von Game Conservancy Deutschland. Genug für die Jäger „sich in Diskussionen nicht auseinander treiben lassen zu wollen“, wie Müller betonte, was mit tosendem Beifall der rund 500 Gästen quittiert wurde. Dabei war Petrak bemüht, angesichts der vorgetragenen Studien zwischen beiden Lagern eine Brücke zu schlagen. Indes: Ein Schulterschluss oder gemeinsamer Konsens schien jedoch nicht zu gelingen – zu weit entfernt liegen offenbar die Lager der Tierschützer und Jagdbefürworter. Lediglich in zwei Punkten gab es eine Art Konsens: Grundsätzlich sei sie „gar nicht gegen die Jagd mit Fallen“ bekannte Bernauer-Münz. Und Marion Selig bekannte, dass das Jagen mit zertifizierten Fallen für die Tiere zumindest weniger schlimm sei. Trotzdem fordern die Tierschützer, Fangjagd nur in Projekten zuzulassen. Die Jäger setzen hierbei jedoch auf Selbstkontrolle und Verantwortung. Denn die Fangjagdverordnung Hessen ist ihrer Meinung nach fortschrittlich und gut aufgestellt. Zudem wehren sich die Jäger gegen einen Zweiklassentierschutz, wobei sie auf die zahlreichen Totschlagfallen in Haushalten anspielen – dies müsse laut Jägerverband in Zukunft auch besser geregelt werden.

 

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Experten zum Thema Jagd hatte die Jägervereinigung auf dem Podium in Grünberg aufgeboten.                          (Fotos: Friedrich)

 

06.03.2015

Gießener Anzeiger


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