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Mit einem Aspekt allein ist es nicht getan 

Oberhessen-Jäger Helmut Nickel erörtert in Jahresbericht „Bestandsexplosion beim Schwarzwild“ 

 

Die Zunahme der Schwarzwildpopulation stellt sich vielerorts als Problem dar, in Einzelfällen ist von einer Plage die Rede. „Darüber sind sich alle Betroffenen, wie Landwirte, Jäger, Förster und Biologen, ja sogar Jagdkritiker einig“, sagt Helmut Nickel aus Stockhausen, der  Vorsitzende der Jägervereinigung Oberhessen. Im dieser Tage aufgelegten Jahrbuch 2012 seines Vereins beschäftigt er sich ausführlich mit diesem Phänomen. Wohl wissend, dass das die unbedarften Beobachter genau hinschauen, wie „die Jägerschaft“ damit umgeht. Denn – und das weiß Nickel, räumte es im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung auch ein – Kritik gilt seltener der wohl gemeinten Hege und Pflege, richtet sich eher beispielsweise gegen Gesellschaftsjagden und deren Ausformungen. Das beweisen auch Schilderungen, die der Redaktion vorliegen, das kommt auch immer wieder in Leserbriefen zum Ausdruck.

 

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                      Für Helmut Nickel einer von etlichen Faktoren für die "Schwarzwildschwemme". Auf Jahren nach einer hohen
                      Buchenmast folgen erheblich größere Strecken.  (Quelle: Hessisches Umweltministerium)

 

 

Nickel hadert ein wenig mit der Meinungsvielfalt: Wenn es darum geht, einen Schuldigen zu finden, driften die Ansichten auseinander – „und in den meisten Situationen wird dann der Jäger ausgedeutet. Die Behauptung, Jäger schössen zu wenig Schwarzkittel, werde anhand der hessischen Streckenergebnisse eindeutig widerlegt. Lag demnach in den 1980er Jahren die durchschnittliche Jagdstrecke noch bei etwa 14 600 Tieren, stieg sie in den 1990ern auf über 30 433 Stück, sowie bis 2009 auf seinerzeit gut 52 300 an. Durchschnittlich -  denn 2008/09 waren in Hessen 77 927 Wildschweine erlegt worden. Aber auch die gegenteilige Meinung steht im Raum: Jäger schössen zu viel Schwarzwild – und gerade deshalb vermehrten sich die Sauen derart stark.

Nickel behauptet in seinem Bericht weiter, dass die Bestandsexplosion bei einzelnen Wildarten kein deutsches Phänomen sei. Die Jagdstrecke beim Schalenwild hat sich innerhalb von 40 Jahren in Zentraleuropa verdreifacht. Drastisch zeige sich das beim Schwarzwild, aber auch beim Rot- und Rehwild. Nicht nur hier: Selbst in Norwegen und Dänemark, die allgemein als „schwarzwildfrei“ gegolten hätten, seien die Streckenzahlen kontinuierlich gestiegen.

Die zuvor genannte Ansicht „Vermehrung des Schwarzwildes durch starke Bejagung“ nennt Nickel geradezu abwegig. Hier führt er die Schweiz ins Feld. Die Eidgenossen hätten seit 40 Jahren die niedrigste Jagdintensität beim Schwarzwild, nämlich maximal 0,13 Stück pro 100 Hektar Jagdfläche. Jedoch sei im selben Zeitraum die Jagdstrecke dort um 6900 (!) Prozent gestiegen.

 

Besondere Rolle der Leitbachen

 

Und was ist mit den Kirrungen, dem bewussten Anfüttern der Tiere – möglichst abseits jener Lagen, in denen die Schwarzkittel Schaden anrichten, wenn sie etwa einen Sportplatz umgraben oder ein Maisfeld leerfressen? Beim Formulieren einer Antwort verweist der Stockhäuser zunächst auf Veröffentlichungen des Johann Heinrich von Thünen-Instituts in Eberswalde, einem Bundesforschungsinstitut für ländliche Räume, Wald und Fischerei. „Die Gründe für steigende Bestände sind vielfältig“, werde dort gesagt. Mehr Nahrung und Deckung seien Hauptfaktoren – nachgerade durch den großflächigen Anbau  bitterstofffreier, energiereicher Nahrung wie Raps oder Mais. Hinzu komme ungewollt steigender Eintrag des Düngers Stickstoff durch die Luft, der das Wachstum fördere. Eine der Folgen, so Nickel: Es häuften sich die Mastjahre, in denen Eichen und Buchen große Mengen Samen produzierten. „Die Auswirkung der Eichen- und Buchenmast auf die Bestandsentwicklung scheint allgemein unterschätzt zu werden“. Demnach zeigt eine Statistik des Hessischen Umweltministeriums eine Korrelation zwischen Mastjahren und Schwarzwildstrecke. Nickel: „Ein entscheidendes Kriterium für  Bestandszunahme ist also der Zyklus der Mastjahre“.

Letztlich betrachtet der Jäger den Aspekt einer Bestandszunahme durch den Bachen-Abschuss. Unabhängig von ethischen und moralischen Grundsätzen, die den Abschuss von Leitbachen verböten, stelle Dr. Oliver Keuling im Magazin „Jagd in Bayern“ fest, dass diese These nicht haltbar sei. Er ist Wildbiologe am Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.  „Die Leitbache ist die uneingeschränkte Chefin und bestimmt, wohin sich die Rotte bewegt. Wundereigenschaften (...) hat sie jedoch nicht. Sie unterdrückt auch nicht die Reproduktion rangniedriger Bachen. Ob durch die Leitbache Wildschäden verhindert werden, können wir nicht genau sagen, wohl aber, dass sie als Kopf der Rotte gelernt hat, Gefahren auszuweichen.“ Gleichwohl erschwerten zu viele alte Leitbachen in der Population die Jagd“. 

 

Gießener Allgemeine

19.02.2013  

 


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