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85 Prozent der Wildschweine im Landkreis auf Trichinen untersucht 

 
 
 
 
Was von hier auf den Tisch kommt, ist auch in Ordnung,
versichern die Oberhessenjäger zum Thema Wildschwein und Trichinenschau.
Bild: Archiv
 
 
(kr). „Jegliche Verunsicherung der Verbraucher ist absolut fehl am Platz.“ Das versicherte Helmut Nickel, der Vorsitzende der Jägervereinigung Oberhessen, zur Diskussion um Trichinen-Untersuchungen bei Wildschweinen (Der Anzeiger berichtete). 85 Prozent der im Landkreis geschossenen Wildschweine seien untersucht worden, der Rest sei außerhalb verwertet worden.
Nach der landesweiten Anfrage des Hessischen Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz bei Veterinärämtern bezüglich der unterschiedlichen Zahlen von in Hessen geschossenen und auf Trichinen untersuchten Wildschweine hat Nickel Ministerin Silke Lautenschläger auf die Ursachen für Abweichungen in der Statistik hingewiesen und erklärt: „Zumindest jene Kreisveterinäre, die sich mit dieser Materie näher befasst haben, wissen ja schon darüber Bescheid."
 
Amtliche Zahlen vorgelegt
Hessenweit waren von rund 71.000 geschossenen Tieren im Jahre 2008 insgesamt 35.466, also rund 50 Prozent, auch in Hessen untersucht worden. Vor acht Jahren hatte der Prozentsatz mit 40.500 untersuchten und 45.000 geschossenen Tieren noch bei 89 Prozent gelegen. Nickel nannte diese Zahlen, aus denen hervorgeht, dass für den Landkreis Gießen andere Werte als der Landesdurchschnitt gelten: „3356 Wildschweine wurden im Kreis Gießen im Jagdjahr 2008/09 verwertet und davon 2860 auf Trichinen beschaut. Das sind die amtlichen Zahlen des Amtes für Veterinärwesen und Verbraucherschutz“. Rund 85 Prozent dieser Wildschweine seien also amtlich untersucht worden.
Die restlichen rund 15 Prozent seien „nicht im heimischen Landkreis verwertet worden“. Nickel erklärte: „Schwarzwild, das an Wildhändler verkauft wird, müssen diese selbst untersuchen lassen“. Im Kreis Gießen gebe es jedoch, wie in anderen Regionen auch, keine Wildhändler mehr. Deshalb werde ein Teil der erlegten Wildsauen außerhalb des Landkreises verwertet und dort auch auf Trichinenbefall untersucht.
 
Viele erlegte Wildsauen in benachbarte Bundesländer exportiert
Die nächste Sammelstelle eines bayerischen Wildhändlers sei in Lohra-Mornshausen. Der Vorsitzende der Jägervereinigung Oberhessen erläuterte: „In vielen Regionen von Hessen geht das sogar so weit, dass große EU-Wildverarbeitungsbetriebe aus Bayern oder Nordrhein-Westfalen die ganze Strecke eines Drückjagdtages abholen. Schon im benachbarten Lahn-Dill-Kreis wurden beispielsweise kürzlich bei einer Jagd von 105 erlegten Wildsauen 80 in benachbarte Bundesländer exportiert, und im Südostkreis Gießen wurden ebenfalls rund 80 Schwarzkittel bis nach Österreich verkauft. Auch Hessen-Forst und große Privat-Forstverwaltungen geben systematisch beträchtliche Mengen Wild an außerhessische Vermarkter ab.“
In anderen Bundesländern gebe es weniger Schwarzwild, aber sehr viel mehr Verbraucher als in Hessen. „Damit lassen sich die bei den Untersuchungszahlen fehlenden Prozente im Kreis Gießen und auch die hessenweite Diskrepanz eindeutig erklären.“
 
 
Jäger wollen sich nicht strafbar machen
Nickel betonte, die Landesdurchschnittszahlen würden für den Landkreis Gießen nicht gelten. Für Verbraucher, Jäger, Wildhändler und Veterinäre führten Spekulationen zu nichts. Wenn Jäger bei Wildschweinen oder Fleischer bei Hausschweinen die gesetzlich vorgeschriebene Trichinenschau unterlassen, stelle das eine Straftat dar: „Dann sind bei den Grünröcken der Jagdschein, das Jagdrevier und wegen Unzuverlässigkeit auch alle Jagdwaffen weg.“
Das Ministerium hatte gegenüber dem Gießener Anzeiger erklärt, dass seit acht Jahren keine untersuchte Wildschweinprobe mehr von Trichinen befallen gewesen sei. Nickel fügte nun hinzu, dass der Leiterin des Gießener Veterinäramtes, Dr. Sigrid Thorius-Ehrler, sogar während ihrer mehr als über 24-jährigen Tätigkeit im Kreis Gießen kein einziger Fall von Trichinenbefall vorgekommen sei.
 
Braten und Kochen vernichtet Trichinen
Außerdem vernichte schon das haushaltsübliche Braten oder Kochen Trichinen im Fleisch von Haus-und Wildschweinen. Nickel erläuterte außerdem, die Wildschwein-Abschusszahlen richteten sich nach dem extrem hohen Vorkommen der Wildschweine. Es sei kein Geheimnis, dass Ministerien und Veterinärbehörden „schon allein zur Abwehr der Schweinepest und zur Verminderung von Wildunfällen im Straßenverkehr eine scharfe Schwarzwildbejagung fordern“.
Der Pressesprecher des Landesjagdverbandes, Dr. Klaus Röther, nannte als Beispiel für die veränderten Bedingungen, dass sich die Fläche des Maisanbaus in den vergangenen Jahrzehnten auf das 31-Fache erhöht habe.
 
Wildschäden vermeiden
Helmut Nickel unterstrich: „Außerdem verpflichtet das Jagdgesetz die Jäger ausdrücklich, zur Vermeidung von Wildschäden den Wildbestand an den Lebensraum anzupassen. Beim Wildschweinabschuss geht es deshalb auch darum, dass Landwirte das für ihr Vieh angebaute Futter nicht durch Wildschäden verlieren und Wiesen und Weiden, Hausgärten, Sportplätze und auch Naturschutzgebiete nicht völlig ruiniert werden. Kühe und Hausschweine fressen nun mal Mais und Getreide und nicht das als Wildschadenersatz gezahlte Geld.“
 
Gießener Anzeiger
13.02.2010

 


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