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Täuschen und Tarnen zum Schutz der Jungen
Gießen (pm). Ein Tierkind, das im Frühjahr allein auf einer Wiese liegt - egal, ob Küken, Hase oder Kitz - ist meist nicht verlassen. »Es ist völlig normal, dass diese Jungtiere während ihrer ersten Lebenswochen stundenlang allein im hohen Gras oder im Gebüsch verharren«, stellt der Vorsitzende der Jägervereinigung Oberhessen, Helmut Nickel, fest.
Ein Junghase, getarnt in der "Sasse"
»Die Eltern von Hase und Reh beobachten das Versteck ihres Nachwuchses aus sicherer Entfernung und kommen nur zweimal täglich zum Säugen der Jungen«. Der Nachwuchs von Hase und Reh scheine daher geradezu schutzlos zu sein. Aber das sei nur auf den ersten Blick so, denn in ihren ersten Lebenstagen verströmten weder Rehkitz noch Hasenjunges einen eigenen Körpergeruch. »Da kapituliert selbst der Fuchs mit seiner empfindlichen Nase«, fährt Nickel fort. Hinzu käme die Tarnung, die im Tierreich weit verbreitet sei und verschiedene Funktionen erfülle: Schutz der Jungen, Schutz vor Räubern und Schutz während eines Beutezugs. Eben weil Tarnen und Täuschen überlebenswichtig sind, bleibe dem Laien oft verborgen, dass sich die Natur im Frühjahr in eine Kinderstube verwandelt. So seien die Jungtiere optisch schwer zu entdecken, denn dank ihrer Fellfarbe lösten sie sich in der Vegetation regelrecht auf und bei Gefahr drückten sie sich eng an den Boden, um übersehen zu werden. Der Vorsitzende der Jägervereinigung Oberhessen warnt daher vor falsch verstandener Tierliebe und rät dringend davon ab, solche »Findlinge« zu berühren oder mitzunehmen. Denn: »Wittert die Mutter an ihrem Jungen menschlichen Geruch, nimmt sie es nicht mehr an - das Junge verhungert«. Wenn man sich unsicher sei, ob ein Tierkind verwaist ist oder nicht, sollte man einen Jäger informieren. Dieser beobachtet dann die Situation und entscheidet, was zu tun ist.
Hunde gehörten außerdem während der Brut- und Aufzuchtzeit unbedingt an die Leine, denn Jungtiere seien leichte Beute. (Foto: Nickel)
Hunde gehörten außerdem während der Brut- und Aufzuchtzeit unbedingt an die Leine, denn Jungtiere seien leichte Beute. (Foto: Nickel)
Giessener Allgemeine
11.05.2010
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