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Zecken - heimlich, leise und nicht ungefährlich

Zecken als Krankheitsüberträger von Borreliose, FSME und Babesiose

Ein kleiner Parasit kann einen Ausflug ins Grüne zum Alptraum werden lassen: Die Zecke. Ihr Biß ist für Mensch und Tier gefährlich, denn sie überträgt oftmals Krankheitserreger. Die Hierzulande am Bekanntesten und Häufigsten sind die Borreliose, eine Bakterieninfektion und die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME), verursacht durch Viren. Neuerdings treten aber auch in Deutschland Fälle einer weiteren durch Zecken übertragenen Krankheit auf, die Babesiose, ausgelöst durch Protozoen (Urtierchen).



Borreliose:

Bei der Lyme Borreliose, erstmals 1976 in Lyme (Connecticut/USA) festgestellt, handelt es sich um eine Bakterieninfektion, an der Mensch und Tier erkranken können. Erste Anzeichen sind ringförmige, große Hautrötungen rund um die Bissstelle. Das Krankheitsbild ist vielfältig und reicht von rheumatischen Schmerzen bis zu grippeartigen Beschwerden. Für den Arzt ist es häufig schwierig, eine eindeutige Diagnose zu stellen. Die unterschiedlichen Symptome können sofort, schubweise oder aber erst nach Wochen und Monaten auftreten. Spezielle Laboruntersuchungen helfen weiter. Eine frühzeitig festgestellte Lyme Borreliose ist mit Antibiotika gut behandelbar. Sie gehört zu den häufigsten Erkrankungen durch Zeckenbisse.


Borrelioseimpfung beim Hund möglich

Auch der Hund kann an Borreliose erkranken. Die Symptome wie Mattigkeit, Appetitlosigkeit und Fieber treten oft erst nach Wochen auf, da die Erkrankung langsam fortschreitet. Einsetzende Gelenkentzündungen an Vorder- und Hinterläufen führen zur Lahmheit des Hundes. Eine Borreliose-Impfstoff, der von der süddeutschen Firma Merial produziert und über die Tierärzte angeboten wird, kann einer Erkrankung des Hundes vorbeugen. Die Impfung erfolgt zweimal, im Abstand von drei bis fünf Wochen. Optimaler Impfzeitpunkt ist der Winter, von Oktober bis Februar. Wegen der hohen Nachfrage in den Tierarztpraxen ist eine Absprache vor Ort empfehlenswert. Der Mensch kann gegen die Erreger der Borreliose noch nicht geimpft werden.


Borreliose auf dem Vormarsch

In der Vergangenheit wurden vor allem aus dem süddeutschen Raum Lyme Borreliose-Fälle gemeldet. Nun werden auch aus dem Nordosten Deutschlands Erkrankungen registriert. Nach Einführung der ärztlichen Meldepflicht 1997 in Brandenburg seien dort 500 Krankheitsfälle erfaßt worden, meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. 1998 waren es 830 Fälle. Die tatsächliche Zahl der an Borreliose-Erkrankten in Deutschland ist nicht bekannt. Zur besseren Information der Bevölkerung durch Ärzte und Gesundheitsämter regt das RKI eine bundesweite Erfassung an. Weitere Informationen geben auch Selbsthilfegruppen, die sich in Deutschland gegründet haben. Die Teilnehmer stellen ihre Erfahrungen und Hilfe den Betroffenen zur Verfügung. Die Adressen dieser Gruppen sind bei dem Arzt oder in der Apotheke zu erfragen.



FSME:

Viren, die mit dem Speichel des Holzbockes - diese Zeckenart ist Überträger - in die Blutbahn gelangen, verursachen die Frühsommerenzephalitis (FSME). Beim Krankheitsverlauf machen sich zunächst grippeähnliche Anzeichen bemerkbar. Es kann zu Krämpfen und in seltenen Fällen zu Hirnhautentzündungen kommen, wenn die Erkran-kung zu spät erkannt wird. Schutz bietet eine Impfung, die bei längeren Aufenthalten im Freien empfohlen wird. Sie kann noch bis zu vier Tagen nach dem Zeckenbiss verabreicht werden. Die vorbeugende Impfung sollte regelmäßig aufgefrischt werden. Für Vierbeiner gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff. Speziell FSME-ausgewiesene Gebiete liegen in Baden-Würtemberg, Bayern und Brandenburg. Dort herrscht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Vorsicht ist aber auch in den Urlaubsländern Österreich, Polen, Ungarn, Italien, Schweiz, Skandinavien, Slowakei und Rußland geboten.



Babesiose:

Die Erreger der Babesiose sind einzellige Parasiten, die durch den Zeckenbiss übertragen werden. Sie befallen die roten Blutkörperchen und rufen eine malariaähnliche Erkrankung hervor. Für Menschen mit intakter Milz besteht normalerweise keine Gefahr, obwohl es einige belegte Fälle gibt, die vermutlich auf Erreger mit größerer Virulenz zurückzuführen sind.


Weitaus gefährlicher ist diese Erkrankung für den Hund. Bestand früher nur bei Jagdreisen nach Frankreich und Ungarn Grund zur Sorge, so gibt es mittlerweile auch in Deutschland stabile Populationen infizierter Zecken (Raum Kehl, Offenburg, Lahr, Emmendingen, Freiburg, Breisgau, München).


Eine Infektion beim Hund äußert sich wie folgt: Mattigkeit, Fieber (bis 42°C), blasse Schleimhaut, Blutarmut, rot-grünbrauner Urin. Es kommt zu Nierenversagen, blutigem Durchfall, Gelbsucht, Milzvergrößerung. Das Tier zeigt Fressunlust und Konditionsschwäche. Geheilte Tiere tragen den Erreger lebenslang in sich, so dass es bei Stress oder z.B. Kortisongabe zu einem erneuten Ausbruch der Krankheit kommen kann. Verantwortlich für die Übertragung ist in Deutschland die Buntzecke "Dermacentor reticulatus", sie ist etwa so groß wie der gemeine Holzbock, hat jedoch ein buntes Schild hinter dem Kopf.



Finger weg, von Öl, Klebstoff und Co:

In der Vergangenheit wurde häufig empfohlen, Öl, Klebstoff oder Nagellackentferner einzusetzen, um die Zecke zu ersticken. Sie ließe sich dann leichter entfernen, so der damalige Erfahrungsstand. Heute weiß man, dass die Zecken gerade in solchen Situationen erst recht viel Speichel abgeben, der das Infektionsmaterial enthalten kann. Zecken sollten auch nicht abgedreht, sondern gerade, ohne Druck auf den Körper, nach oben aus der Haut gezogen werden.


Wer sich viel draußen aufhält, kann sich mit bedeckender Kleidung und festem Schuhwerk relativ gut schützen. Nach dem Aufenthalt im Freien sollte der Körper, besonders bei Kindern, nach Zecken abgesucht werden. Wird eine Zecke am Körper gefunden und abgelöst, ist auf ungewöhnliche Körperreaktionen zu achten. Im Zweifelsfällen muß selbstverständlich ein Arzt aufgesucht werden. Nicht jeder Zeckenbiss hat zwangsläufig eine Infektion zur Folge, sollte aber beobachtet werden.



Der Lebenszyklus der Zecke:

Die Zecke gehört wie die Milbe zu den Spinnentieren. Zecken werden in zwei Familien untergliedert: die Lederzecken (mit relativ hartem Körperpanzer, z.B. der Holzbock) und die Schildzecken (eher weicher Körper). Beiden Familien ist gemeinsam, dass sie sich aus den abgelegten Eiern über sechsbeinige Larven und achtbeinige Jugendstadien zu geschlechtsreifen, achtbeinigen Tieren entwickeln. Eier und Tiere aller Stadien überwintern im Laub. Verbreitet werden die Schmarotzer von Kleinsäugern wie Mäuse und Igel. Bereits bei einer Außentemperatur von 7° Celsius wird der Parasit tätig. Seine aktivsten Monate sind allerdings Juni und Juli bei Durchschnittstemperaturen von 20° Celsius.


In der Zeit von März bis Oktober lebt die Zecke daher in Wäldern und Parks, an Wald- und Wegrändern. Sie sitzt auf bodennahen Pflanzen, Grashalmen und auf Büschen bis zu einer Höhe von etwa 1,50 Metern und lässt sich auf ihre Opfer fallen. Dann wandert sie heimlich und leise an dünne menschliche Hautpartien wie Kniekehlen und Haaransatz. Bei dem Hund oder der Katze findet die Zecke überall geeignete Körperstellen.


Mit Hilfe eines rohrförmigen Mundwerkzeuges, das mit Widerhaken versehen ist, bohrt sich die Zecke in die Haut und beginnt Blut zu saugen. Dabei kann es zur Übertragung der gefährlichen Krankheitserreger kommen, die im Speichel der infizierten Zecke leben. Ratsam ist die sofortige, fachgerechte Entfernung der Plagegeister. Eine spezielle Zeckenzange ist in der Apotheke erhältlich.



Quelle: Deutscher Jagdschutz-Verband (DJV)


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