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Die Tollwut ist wieder auf dem Vormarsch

Bei "zahmen" Wildtieren ist Vorsicht geboten. Tollwut endet nach dem Auftreten der ersten Symptome immer tödlich.

Seit etwa einem Jahrzehnt hat man die Bedrohung durch das Tollwut-Virus aus den Augen verloren. Nun hat dieser Erreger wieder eine makabre Berühmtheit erlangt. Gleich drei Menschen, die sich zunächst durch Organspenden gerettet glaubten, infi-zierten sich durch die Organe, die eigentlich ihr Leben verlängern sollten. Die Spenderin selbst war an Tollwut erkrankt und niemand hatte etwas bemerkt.


Andere Infektionswege verlaufen weit weniger spektakulär. Die Übertragung der Krankheit erfolgt hauptsächlich von Tier zu Tier und von Tier zu Mensch durch Biß. Auch eine indirekte Ansteckung ist möglich, wenn der Erreger über infektiösen Speichel in Hautverletzungen gelangt. Solche Tierseuchen, die vom Tier auf den Menschen und umgekehrt übertragen werden können, bezeichnet man als "Zoonose". Die Tollwut ist zweifellos die bekannteste und gefährlichste Zoonose. Sie ist eine Viruskrankheit, die im Wildtier seinen Träger und Überträger hat - zu 75 Prozent aller Fälle beim Fuchs.



Die Tollwutfälle in Hessen liegen bei weitem unter dem Niveau vor der flächendeckenden Immunisierung der Füchse. Im Jahr 2004 wurden jedoch trotz größter Anstrengung wieder 28 Fälle registriert. Fachleute machen dafür den Anstieg der Fuchspopulation verantwortlich. Die oberste hessische Veterinärbehörde und die WHO warnen davor, dass sich die Wildtollwut wieder rapide ausbreitet, wenn Jäger und Förster die Rotröcke nicht stärker regulieren. Deren Bestand sei inzwischen so stark angestiegen, dass die Tollwutimpfung per Impfköder nur noch rund 60 Prozent der Füchse erreicht. Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg waren seither tollwutfrei. Nachdem nun seit Jahresbeginn in beiden Bundesländern wieder eine Serie von Tollwutfällen registriert wurde, macht man die Hessen für den Tollwutherd verantwortlich.



Die typischen Symptome einer Infektion sind starke Schmerzen an der Bissstelle, Wasserscheue, Schluckstörungen, Speichelfluss, Angst und Gemütsschwankungen. Infolge zunehmender Lähmungen endet jede Erkrankung nach dem Auftreten der ersten Symptome tödlich. Durch sofort nach einem Biss eingeleitete Maßnahmen mit u.a. einer passiven Immunisierung kann der Ausbruch jedoch meistens verhindert werden. Es gibt auch eine Tollwut-Schutzimpfung, die für beruflich gefährdete Personen empfohlen wird.



Auch durch Hunde- und Katzenbisse kann eine Infektion des Menschen mit dem Virus erfolgen. Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 3-8 Wochen, in Extremfällen auch weniger als 9 Tage bis zu einem oder sogar mehreren Jahren. Die Dauer der Inkubationszeit hängt stark von der Virusmenge und der Entfernung der Bisswunde vom Gehirn ab. Bei Kopfwunden ist mit kürzerer Inkubationszeit zu rechnen als z.B. bei Verletzungen an Armen und Beinen. Besteht ein Verdacht auf Kontakt mit einem tollwütigen oder tollwutverdächtigen Tier, ist umgehend das Gesundheitsamt zu verständigen.



Tollwutverdächtige wildlebende Tiere müssen vom Jagdausübungsberechtigten sofort erlegt und zur Untersuchung zur Feststellung der Tollwut bereitgestellt werden. Wenn Tollwut nachweislich durch den Fuchs verbreitet wird, kann die zuständige Behörde die verstärkte Bejagung durch die Jagdausübungsberechtigten und die orale Immunisierung (Schluckimpfung) anordnen. Dies ist immer dann gegeben, wenn ein Gebiet zum Tollwut gefährdeten Bezirk erklärt wird oder wenn zu befürchten ist, dass die Tollwut in ein bisher tollwutfreies Gebiet eingeschleppt wird. Bei tollwutverdächtigen Hunden und Katzen muss das Veterinäramt die Tötung und unschädliche Beseitigung anordnen.



Neben der oralen Immunisierung für Füchse wurde als weitere Maßnahme zur Eindämmung dieser gefährlichen Seuche auch die sogenannte "Tollwut-Verordnung" neu gefasst. Die wesentliche Neuregelung besteht aus der Erweiterung des tollwut-gefährdeten Bezirks von 10 km auf 50 km, bzw. auf 5000 Quadratkilometer und der Einführung von aufwendigen Untersuchungen von Füchsen nach Zahl und Zeitraum zum Nachweis der Tollwutfreiheit einer Region.



Helmut Nickel


Jägervereinigung Oberhessen e.V.




Tollwut (Rabies, Lyssa)

Zusammenfassung

Die Tollwut ist eine lebensbedrohliche, durch Viren ausgelöste Infektionserkrankung, die in der Regel durch den Biss eines erkrankten Tieres übertragen wird. In Deutschland werden ein bis drei Fälle jährlich gemeldet.


Die typischen Symptome sind starke Schmerzen an der Bissstelle, Wasserscheu, Schluckstörungen, Speichelfluss, Angst und Gemütsschwankungen. Infolge zunehmender Lähmungen endet jede Erkrankung nach dem Auftreten der ersten Symptome tödlich. Durch sofort nach einem Biss eingeleitete Maßnahmen mit u.a. einer passiven Immunisierung kann der Ausbruch jedoch meistens verhindert werden. Es gibt auch eine Tollwut-Schutzimpfung, die für beruflich gefährdete Personen empfohlen wird.



Definition

In unseren Breitengraden kommt Tollwut hauptsächlich in den wildlebenden Fleischfressern (z.B. Füchse, Dachse, Marder) vor, in Amerika sind es die Waschbären, Fledermäuse, Füchse und Stinktiere, die die Krankheit auf Hund und Katze übertragen können.


Durch Hund- und Katzenbisse kann dann auch in Ausnahmefällen eine Infektion des Menschen mit dem Virus erfolgen. Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 3-8 Wochen, in Extremfällen auch weniger als 9 Tage bis zu einem oder sogar mehreren Jahren. Die Dauer der Inkubationszeit hängt stark von der Virusmenge und der Entfernung der Bisswunde vom Gehirn ab. Bei Kopfwunden ist mit kürzerer Inkubationszeit zu rechnen als z.B. bei Verletzungen an Armen und Beinen. Besteht ein Verdacht auf Kontakt mit einem tollwütigen oder tollwutverdächtigen Tier ist umgehend das Gesundheitsamt zu verständigen.



Häufigkeit

Während in Deutschland durchschnittlich nur 1-3 Fälle pro Jahr auftreten (Europa 30 Fälle), ist die Tollwut in Asien (China 5000, Indien 15000) ein weitaus größeres Problem, dies sollte auch bei Auslandsreisen beachtet werden. Nach Schätzungen der WHO werden weltweit rund 35.000 Fälle pro Jahr registriert, wobei jedoch mit einer erheblichen Dunkelziffer, vor allem in Afrika und Asien, zu rechnen ist.



Ursachen

Übertragen wird die Tollwut durch einen Virus aus der Gruppe der zylindrisch geformten RNA-Viren, der so genannten Rhabdo-Viren. Die Infektion mit der Krankheit erfolgt durch virushaltigen Speichel, der bei einem Biss oder einer Hautabschürfung durch die verletzte Haut in den Körper des gebissenen Tieres oder Menschen gelangt. An der Infektionsstelle vermehrt sich das Virus erst in den Muskelzellen, dann wandern sie durch die Nerven in das Gehirn, wo sich eine weitere Vermehrungsphase anschließt. Von dort aus gelangen sie in die Speicheldrüsen, in die Bauchspeicheldrüse und die Haarbalgdrüsen, wo sie sich wiederum vermehren und mit dem Sekret (Speichel, Verdauungssekret, Schweiß) abgegeben werden.



Symptome

Beim Menschen verläuft die Tollwut in drei Stadien:



Prodromalstadium
    uncharakteristische Beschwerden wie Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit
    häufig Fieber
    Brennen, Jucken und vermehrte Schmerzempfindlichkeit im Bereich der Bisswunde
Akute neurologische Phase
    Angstgefühle, Unruhe
    Krämpfe der Schlundmuskulatur, die durch das Schlucken ausgelöst werden. Dadurch
    Angst zu trinken und
    Speichelfluss aus dem Mund, um ihn nicht schlucken zu müssen.
    abwechselnd aggressiver und depressiver Gemütszustand
    Hydrophobie: die optische oder akustische Wahrnehmung von Wasser führt zu Unruhe und Krämpfen, die sich auf die gesamte Muskulatur erstrecken können.
Koma
    Nachlassen der Krämpfe und der Unruhe
    fortschreitende Lähmungen
    Tod

Unbehandelt führt die Tollwut in allen Fällen zum Tod (Letalität 100 %), zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem tödlichen Ausgang liegen maximal 7 Tage.



Diagnose

Die Diagnose der Tollwut erfolgt durch den direkten mikroskopischen Nachweis von Virus im Speichel, in der Hirnflüssigkeit oder in den Haarfollikeln des Patienten. Die eindeutige Bestätigung dieser Diagnose kann aber erst nach dem Tod des Patienten durch Proben aus Hirngewebe erfolgen.



Therapie

Nach dem Biss sollte direkt die Wunde ausgiebig mit Seifenlösung oder Wasser gereinigt werden, um den Erreger auszuwaschen, und mit Alkohol desinfiziert werden. Tiefere Wunden sollten zusätzlich mittels Kathetern ausgespült werden. Danach sollte unverzüglich eine aktive Impfung mit einem Totimpfstoff erfolgen, einen Tag später die passive Immunisierung mit einem Immunglobulin.



Verlauf

Die Therapie der Tollwut muss möglichst sofort nach dem Biss durch ein tollwutverdächtiges Tier begonnen werden, nach Ausbruch der Krankheit mit den ersten Symptomen gibt es keine Therapie mehr, der tödliche Verlauf kann dann nur noch mit intensivmedizinischen Mitteln (Beatmung etc) hinausgezögert werden. Allerdings wird im Moment an einer Behandlungsmethode geforscht, die aber erst in einem Fall erfolgreich den Tod trotz Ausbruch der Krankheit verhindert hat.



Vorbeugen

Die Impfung gegen Tollwut ist angezeigt bei Menschen, die z.B. durch ihren Beruf ein erhöhtes Risiko tragen, einen Tierbiss zu erleiden (Jäger, Tierärzte und -pfleger, Forstpersonal, ggf. Reisende nach Asien/Afrika). Der Impfstoff wird in drei Injektionen innerhalb weniger Wochen verabreicht, eine Auffrischimpfung sollte ein Jahr später erfolgen. Danach beträgt die Schutzdauer bis zu 5 Jahren.



Quellen:


Robert Koch Institut: Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte:


Tollwut (Rabies, Lyssa)


(Stand Februar 2005)


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Unterpunkte dieser Seite:

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