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Die Herkulesstaude – schön aber gefährlich

 

Die Herkulesstaude auch Riesenbärenklau genannt, ist kaum zu übersehen. Sie bietet ein geradezu imposantes Bild.

  

 

 Die Herkulesstaude bietet ein imposantes Bild
 
 
  
Im 19. Jahrhundert wurde die Pflanze aus dem Kaukasus eingeführt und in Botanischen Gärten als Zierpflanze kultiviert. Von dort wurde sie aus allen möglichen Gründen in der Natur ausgewildert.
 
Mittlerweile ist die Herkulesstaude zu einer Bedrohung geworden, denn trotz ihres imposanten Aussehens hat sie es in sich:
 
 
  • sie enthält ein tückisches Gift
  • sie unterdrückt andere Pflanzen
  • sie breitet sich in einem bedrohlichen Maß aus
 
 
Die Wirkung des Giftes auf Mensch und Tier
 
Der Riesenbärenklau schützt sich durch eine giftige Substanz, dem Furocumarin vor Frassschäden und versucht damit, seine Fortpflanzung zu sichern. Alle Pflanzenteile enthalten diese phototoxischen Substanzen, am meisten aber die Samen. Die Furocumarine sind im klaren wässrigen Saft, den die ganze Pflanze absondert enthalten und sind photoreaktiv, das heisst, sie reagieren in Kombination mit UV-Strahlung.
 
Wenn die phototoxische Substanz mit der Haut in Berührung kommt, ruft dies zusammen mit Sonnenlicht Rötungen, Hautentzündungen und in schweren Fällen Blasen hervor, was oft Narben und lang andauernde Pigmentierungen hinterlässt. Feuchtigkeit, Schweiss und hohe Temperaturen verstärken die Reaktion. Die betroffene Haut kann ausserdem für Jahre ungewöhnlich empfindlich gegenüber UV-Strahlen bleiben.
  
 
Der Pflanzensaft ruft in Verbindung mit
Sonnenlicht schwere Hautschäden hervor

  

Die auch für Menschen gefährlichen Furocumarine sind auch für verschiedene Tiere giftig. Schafe, Ziegen und auch Schweine sollen die Pflanze dennoch fressen, wobei Verätzungen am Maul festgestellt wurden. Nach anderen Quellen sind Kühe nach Verzehr der Pflanze gestorben. Bei jungen Enten wurden nach Kontakt mit der Pflanze Deformationen von Schnäbeln und Füßen beobachtet. Von verschiedenen Insekten wird die Pflanze gerne angenommen.
 
 
 
Auswirkung auf die Natur
 
Eine große Zahl von Pflanzenarten, die heute zur heimischen Flora gezählt werden, ist durch den Menschen beabsichtigt oder unbeabsichtigt in unsere Heimat gebracht worden. Jene, die seit Beginn der Neuzeit (ca. 1.500 n. Chr.) eingeführt wurden (und noch werden) nennt man Neophyten. Die Herkulesstaude ist ein solcher Neophyt.
Sie ist jedoch eine der ganz wenigen Arten, die in ihrem neuen Lebensraum zum Problem wurden, weil sie sich stark ausbreitet und dabei einheimische Arten verdrängt. Die Lage spitzt sich besonders zu, wenn ohnehin bedrängte Arten, Lebensgemeinschaften und deren Lebensräume zusätzlich gefährdet werden. Auch die Landwirtschaft ist betroffen. Herkulesstauden dringen aggressiv in Äcker, Wiesen und Weiden ein und verursachen enorme Ertragsverluste. Das Mähgut wird völlig entwertet.
 
 
Bekämpfung der Herkulesstaude
 
So wichtig die Bekämpfung der Herkulesstaude ist, so schwierig ist so auch, denn sie ist langwierig und aufwendig.
 
Voraussetzungen für eine effektive Bekämpfung sind:
 
  • Sie muss zum Absterben den Pflanze führen und die Samenreife verhindern
  • Es muss so lange kontrolliert und nachgearbeitet werden, bis keine neuen Keimlinge mehr auflaufen
 
 
 
Bekämpfungsmaßnahmen
 
 

1. Ausgraben und abstechen

 
Die wichtigste Bekämpfungsmaßnahme ist das Ausgraben oder tiefe Abstechen. Die Pflanzen können im Frühjahr (spätestens bis Mitte April) und im Herbst (Oktober bis Anfang November) ausgegraben und durch Abstechen der Wurzel 15 cm unter Erdoberfläche abgetötet werden. Tiefere Wurzelteile treiben nicht wieder aus, sondern verrotten im Boden.
Die ausgegrabenen oder abgestochenen Pflanzen werden zum trocknen auf einer Folie ausgelegt und können dann entsorgt oder verbrannt werden.
 
Achtung: Um Verbrennungen durch die giftigen Pflanzensäfte zu vermeiden, sind geschlossene Schutzkleidung, Handschuhe, Schutzbrille und feste Stiefel zu tragen.
 
   
Bekämpfung der Herkulesstaude durch Jägervereinigung Oberhessen e.V.
 Bei der Bekämpfung der Herkulesstaude ist eine ausreichende
Schutzkleidung unerläßlich
 
  
 

2. Beweiden

 
Die Beweidung mit Ziegen und Schafen kann die Pflanzen so schwächen, dass sie im Laufe der Zeit verschwinden. Die Tiere sind dabei sorgfältig zu beobachten, da sie an den Ohren und am Maul Hautirritationen zeigen können.
 
Die Beweidung sollte jedenfalls im Frühjahr beginnen, wenn die Pflanzen noch klein sind.
 

 

3. Herbizideinsatz

 
Herbizide auf Glyphosat-Basis sind wirksam. Die beste Wirkung wird erzeugt, wenn das Herbizid zunächst im April und dann nochmals im Juli eingesetzt wird.
Achtung: Für die Herbizid-Anwendung außerhalb landwirtschaftlich genutzter Flächen ist eine Genehmigung des Pflanzenschutzamtes notwendig.
 
 

4. Abschneiden und Entsorgen des Samenstandes

 
Die Blütendolden dürfen nicht vor der beginnenden Samenreife abgeschnitten werden, da sonst neue Dolden gebildet werden. Erst dann, wenn die Mitteldolde Samen gebildet hat (etwa Mitte Juli) können in einem Arbeitsgang die Mutterpflanze als auch ihre Samen unschädlich gemacht werden. Die Samen müssen unbedingt im Plastiksack entfernt und entsorgt werden (z.B. durch Hitzekompostierung, Verbrennung, oder faulen im Sack).
 
 

5. Mähen oder abschlagen

 
Mähen oder abschlagen ist völlig nutzlos, wenn diese Maßnahmen nur zwei- bis dreimal im Jahr durchgeführt werden. Mähen ist nur dann wirksam, wenn es regelmäßig im Abstand von zwei Wochen über die gesamte Vegetationsperiode durchgeführt wird.
 
 
 
Erste Hilfe
 
Falls ein Hautkontakt mit der Pflanze statt gefunden hat, müssen die betroffenen Stellen sofort gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden. Dies ist auch dann erforderlich, wenn noch keine Reaktion aufgetreten ist. Danach empfiehlt es sich, eine Sonnenschutzcreme aufzutragen. Die Sonne sollte in jedem Fall zwei bis drei Tage gemieden werden.Treten trotzdem Hautreaktionen auf, sollte schnellstens ein Hautarzt aufgesucht werden.
 
 
 
Aufruf zur Mithilfe
 
Die Jägervereinigung Oberhessen e.V. hat damit begonnen, zunächst für Reviere von Mitgliedern befallene Stellen zu erfassen. Zum Teil sind an besonders betroffenen Stellen bereits Bekämpfungsmaßnahmen vorgenommen worden. Dies geschieht unter der Federführung des Ausschusses
für Naturschutz und Biotoperhaltung. 
 
Zur flächendeckenden Bekämpfung ist die Unterstützung durch Gemeinden und Landwirten unbedingt erforderlich. Im nächsten Schritt ist daher eine engere Zusammenarbeit geplant.
 
Da längst nicht alle Vorkommen erfasst sind, sollte die Bevölkerung beobachtete Vorkommen unbedingt melden – am besten schriftlich unter info@jaegervereinigung-oberhessen.de oder per Post an Jägervereinigung Oberhessen e.V., Am Hirtsgarten 3, 35305 Grünberg.
 
 
 
 
 
 
 
Quellen:
Merkblatt GNOR Rheinland-Pfalz
Merkblatt Landkreis Darmstadt-Dieburg
Ausschuss für Naturschutz und Biotoperhaltung Jägervereinigung Oberhessen e.V.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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