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Der Fuchsbandwurm bedroht nicht nur den Jäger

"Mit ihren Geschichten über den Fuchsbandwurm versetzen Jäger naturbegeisterte Menschen in Panik, damit diese den Wald meiden", resümierte noch vor wenigen Jahren ein Hobby-Ökologe seinen Beitrag über den Fuchsbandwurm in einer überörtlichen Tageszeitung.


Heute könnte er damit keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken, denn der Kenntnisstand der Bevölkerung hat sich erweitert. Trotzdem wird die Gefahr, die von diesem Schmarotzer ausgeht, auch von vielen Jägern unterschätzt. Während einige seit Jahren den Fuchs vor dem Abbalgen anfeuchten und während der Arbeit Mundschutz und Einweghandschuhe benutzen, verhalten sich andere völlig sorglos. Dies mag zum einen daran liegen, dass man bei einem Fuchs überhaupt kein Krankheitsbild erkennen kann, wenn er mit dem "kleinen Fuchsbandwurm" (Echinococcus multilocularis) infiziert ist. Zum anderen werden Infektionen beim Menschen erst nach Jahren festgestellt, aber dann nicht einmal publiziert, weil keine Meldepflicht besteht. Trotzdem kann man eigentlich nur von einer echten Erkrankung sprechen, wenn der Mensch befallen ist. Um dies verstehen zu können, muss man die Entwicklungsphasen dieses 5 mm langen Parasiten kennen. So lebt der Fuchsbandwurm im Darm des Fuchses, ohne seinem "Endwirt" einen ernsthaften Schaden zuzufügen. Über den Kot scheidet der Fuchs viele mikroskopisch kleine Eier aus, die vom Wind in der Natur verteilt werden. Dort fressen Mäuse und Ratten mit Bandwurmeiern verseuchte Nahrung und werden so zu "Zwischenwirten". Füchse, aber auch Hunde und Katzen, die diese Mäuse fressen, werden dann ebenfalls zu Endwirten und scheiden wieder Eier aus. Somit schließt sich der Kreis. Gelangen nun Bandwurmeier durch Hund, Katze oder durch Nahrungsaufnahme in den Menschen, schlüpfen aus den Eiern Larven, die über den Dünndarm in die Leber wandern. Dort wächst ein schwammartiges Gewebe heran, das die gesunden Leberzellen des Menschen immer mehr verdrängt. Es ist im Entwicklungskreislauf des Bandwurms eigentlich ein Versehen, wenn seine Eier in der Menschen gelangen. Der Mensch ist daher aus der Sicht des Bandwurms ein "Fehlwirt".


Leider erfolgen trotz deutlicher Alarmzeichen hinsichtlich der Verbreitungsgeschwindigkeit und der Gefährlichkeit keinerlei Reaktionen seitens der Gesetzgeber. Um so unverständlicher wird diese Untätigkeit, wenn man bedenkt, dass bereits heute wesentlich mehr Menschen durch den kleinen Fuchsbandwurm sterben, als durch Tollwut. Durch die Immunisierung gegen Tollwut hat sich der Fuchs seit Beginn der 90er Jahre stark vermehrt und beschleunigt dadurch wiederum als Hauptüberträger des Fuchsbandwurms dessen Verbreitung.


Die einzige Untersuchung in der BRD über die Ansteckungsrate des Menschen wurde seither in Baden-Württemberg durchgeführt (Prof. Kimmig, 1985). Aus den hochgerechneten Daten ergab sich alleine für dieses Bundesland eine Krankheitsrate von 593 aktuellen Fällen, sowie jährliche Neuerkrankungsrate von ca. 60 Fällen. Dazu muß man wissen, dass diese Zahlen zu einem Zeitpunkt ermittelt wurden, als lediglich in einem von insgesamt 33 Landkreisen eine Befallsrate beim Fuchs von über 30% ermittelt wurde (1974-1985). Bei einer späteren Untersuchung (1989-1990) wurde bereits in 13 (!) Landkreisen eine Befallsrate von über 30% festgestellt. Über die Auswirkung dieser rasanten Entwicklung auf die Infektionsgefahr für den Menschen lassen sich leider nur Spekulationen anstellen.


Sicher ist es auch von Interesse, wie sich die Situation in unserem heimischen Raum darstellt.


Dr. U. Eskens vom Staatl. Veterinäruntersuchungsamt in Gießen hat im mittelhessischen Raum in der Zeit von 1993-1995 ebenfalls Untersuchungen bei Füchsen durchgeführt und dabei eine durchschnittliche Befallsrate von 39% ermittelt, wobei die niedrigste lokale Rate mit 33% im Raum Dillenburg und die höchste Rate mit 56% im Raum Büdingen lag. Im Kreis Gießen wurden Werte zwischen 36% (östlicher Bereich) und 39% gefunden. Interessant ist hier die Tatsache, dass die niedrigste Befallsrate im mittelhessischen Raum bereits die kritischen Werte von Baden-Württemberg überschreitet. Und es kommt noch dramatischer: Dr. Eskens hat im Zeitraum 1999-2000 weitere Untersuchungen vorgenommen, die noch nicht vollständig ausgewertet sind. Es lässt sich jedoch bereits heute die Tendenz erkennen, dass die Befallsrate im Durchschnitt auf ca. 50% angestiegen ist!


Wie bereits erwähnt, liegt die Todesrate durch den Fuchsbandwurm höher als bei der Tollwut. So waren in den schlimmsten Tollwutjahren in Deutschland 1-2 Todesopfer zu beklagen. Im Vergleich hierzu starben bereits um 1985 alleine in Baden-Württemberg 6 Menschen durch den Fuchsbandwurm. Nach den neuesten Untersuchungen in Frankreich sterben bei früher Diagnose und verbesserten Medikamenten heute immer noch 12% der infizierten Personen.


Die jährlichen Neuansteckungen in Deutschland werden von Medizinern inzwischen auf ca. 200 Personen geschätzt. Demzufolge fallen hierzulande dem Fuchsbandwurm jährlich über 20 Menschen zum Opfer.


Es muß daher für jeden Hunde- und Katzenbesitzer ebenso selbstverständlich sein, sein Tier regelmäßig zu entwurmen, wie für den Jäger, die empfohlenen Schutzmaßnahmen beim Umgang mit dem Fuchs zu beachten. Der Genuss von Waldbeeren und Pilzen sollte erst nach gründlichem Waschen und einer Erhitzung auf mindestens 60° erfolgen.



Helmut Nickel


Jagdbeilage Giessener Anzeiger


27.04.2001




Vorsicht Fuchsbandwurm!

Füchse suchen die Nähe des Menschen und bringen eine tückische Krankheit mit


Seit Anfang der 90er Jahre erobern Füchse in Mitteleuropa Städte und Dörfer als Lebensraum. Pro Fläche kommen hier acht- bis zehnmal mehr Tiere vor als in Wald und Feld. Allein in München leben nach Schätzungen von Jägern 3.000 Füchse. Als Kulturfolger finden sie in Mülltonnen oder Komposthaufen ausreichend Futter, nutzen Holzverschläge als Unterschlupf und verlieren die Scheu vor dem Menschen. Mit dem Fuchs breitet sich auch ein winzig kleiner aber für den Menschen gefährlicher Parasit aus: der Kleine Fuchsbandwurm.


Inzwischen kann man davon ausgehen, dass der Fuchsbandwurm bundesweit vorkommt. Besonders hoch sind die Befallsraten im Süden und Südwesten, niedrig hingegen im Norden und Nordosten", erklärte Dr. Thomas Romig, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Parasitologie der Universität Hohenheim. Beteiligt war Romig an einer groß angelegten Untersuchung im Kreis Starnberg bei München, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Demnach sind dort über die Hälfte aller Füchse mit dem Kleinen Fuchsbandwurm (Echinokokkus multilocularis) infiziert. In manchen Teilbereichen waren sogar acht von zehn Tieren befallen.


"Dies stellt eine nicht unerhebliche Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung dar", resümieren Romig und ein Kollege aus der Wildbiologie in der neuen Ausgabe von "LWF- aktuell" , die von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) herausgegeben wird. Nach Worten der Wissenschaftler ist die Befallsrate der Füchse mit dem Kleinen Fuchsbandwurm im Untersuchungsgebiet erheblich höher als nach bisher verfügbaren Daten zu vermuten war. Zwischen 1988 und 2002 war nach Ergebnissen des Bayerischen Gesundheitsamts nur jeder dritte Fuchs in Bayern betroffen.



Fatale Wirkung auf den Menschen
Der Fuchsbandwurm pflanzt sich im Darm des Fuchses fort und schadet dabei seinem Wirt kaum. Mit dem Kot gelangen die Parasiteneier schließlich in Wälder, Parks oder Gärten, wo sie von Nagetieren wie Mäusen - den Zwischenwirten - mit der Nahrung aufgenommen werden. In der Mausleber verursachen die geschlüpften Larven innerhalb weniger Monate ein tumorartiges Gewebe. Fängt der Fuchs die geschwächte Maus, wachsen in seinem Darm erneut Fuchsbandwürmer heran. Der Kreislauf ist geschlossen.
Gelangen Bandwurmeier mit der Nahrung fälschlicherweise in den Darm des Menschen, schlüpfen ebenfalls Larven, die in die Leber wandern. Über einen Zeitraum von Jahren wächst dort ein schwammartiges Gewebe heran, das die gesunden Zellen des Organs langsam verdrängt. Ohne Behandlung führt diese so genannte alveoläre Echinokokkose zum Tod. Da Frühsymptome meist fehlen, wird die Krankheit oft erst erkannt, wenn Großteile der Leber befallen sind. Eine Operation ist in diesem Stadium so gut wie ausgeschlossen. Erschwerend kommt hinzu, dass zwischen Infektion und Ausbruch der Echinokokkose 10 bis 15 Jahre liegen können. Nur bestimmte Medikamente, die ein Leben lang eingenommen werden müssen, können die Larvenentwicklung stoppen, jedoch keine vollständige Heilung herbeiführen. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin bezeichnet die Echinokokkose als die gefährlichste und am häufigsten zum Tode führende Erkrankung des Menschen durch parasitierende Würmer.


Nach Worten des Parasitologen Romig habe das Robert-Koch-Institut 2003 zehn neue Fälle von Echinokokkose in Deutschland verzeichnet, insgesamt seien etwa 150 bis 200 Fälle registriert. Die Zahl der Menschen, die den Erreger in sich trügen sei nicht bekannt. Mit serologischen Reihenuntersuchungen wurde festgestellt, dass nur jeder zehnte infizierte Mensch an Echinokokkose erkrankt. Die anderen haben zwar spezifische Antikörper gegen den Parasiten im Blut, sind aber gesund. Das bedeutet, dass das Immunsystem bereits mit dem Parasiten Kontakt hatte und ihn erfolgreich besiegte. "Liegt ein konkreter Verdacht auch Echinokokkose vor, sollte der Betroffene seine Leber von einem Spezialisten per Ultraschall untersuchen lassen", erläuterte Romig.



Mögliche Infektionsquellen ausschließen

Waldfrüchte und Pilze galten lange Zeit als ausschließliche Infektionsquelle für den Kleinen Fuchsbandwurm. Da Füchse jedoch immer weiter in Siedlungsgebiete des Menschen vordringen, sind auch Gartengemüse, Erdbeeren oder Früchte von Streuobstwiesen eine mögliche Infektionsquelle. "Durch das Waschen von Obst und Gemüse wird das Infektionsrisiko gegen Null reduziert", so Romig. Absolute Sicherheit biete aber erst das Erhitzen auf über 60 Grad Celcius.


Der Parasitologe von der Universität Hohenheim empfiehlt Verbrauchern als einfache und effektive Schutzmaßnahmen zudem, nach Freilandarbeiten die Hände zu waschen und Arbeitskleidung sowie -schuhe nicht mit in die Wohnung zu nehmen. Haustiere, die Mäuse fangen, müssten regelmäßig entwurmt werden. Jäger sollten erlegte Füchse in geschlossenen Säcken transportieren.



Füchse haben sich stark vermehrt

Aus Gründen der Seuchenhygiene sowie zur Erhaltung zahlreicher gefährdeter freilebender Tiere ist nach Auffassung des DJV und verschiedener Experten eine stärkere Bejagung des Fuchses sinnvoll. Nach den Novellierungsplänen bestimmter Naturschutzverbände und Parteien soll der Rotrock jedoch künftig nicht mehr bejagt werden.


Seit Anfang der siebziger Jahre sind die Bestände des Fuchses explodiert und haben sich regional mehr als verdreifacht. Nach Angaben des DJV ist die Zahl der in Deutschland erlegten Tiere von rund 400.000 (1992/93) auf etwa 600.000 (2002/03) gestiegen. Für diese Entwicklung sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Eine bedeutende Rolle spielt die erfolgreiche Immunisierung gegen Tollwut. Zudem finden die Tiere in der Nähe des Menschen verstärkt Nahrung - etwa auf Komposthaufen oder Müllhalden. Für die Bevölkerung steigt damit insbesondere in Risikogebieten wie Bayern die Gefahr durch den Fuchsbandwurm. Der Präsident des Bayerischen Jagdverbandes und Landtagsabgeordnete, Professor Dr. Jürgen Vocke, wird deshalb in Kürze einen Antrag in den Landtag einbringen, der ein bayernweites Monitoring des Fuchsbandwurms sowie die Aufklärung der Öffentlichkeit über Gesundheitsgefährdungen zum Inhalt hat.



Nahrungsangebot in Städten und Dörfern verringern

Um das Risiko für den Menschen von vorn herein zu minimieren, empfiehlt der DJV, Füchse nicht in Siedlungen zu locken - etwa durch gezielte Fütterungen. Zu den Vorsichtsmaßnahmen gehört es zudem, mögliche Stellen für einen Fuchsbau - beispielsweise an Gartenhäuschen oder unter Fertiggaragen - zu beseitigen und das Nahrungsangebot zu verringern. Romig: "Banale Maßnahmen wie Speiseabfälle nicht in Säcken vor die Tür zu stellen oder Katzenfutter nachts ins Haus zu räumen, erweisen sich als effektiv". Siedeln sich Füchse in der Nähe von Schulen an, sei die Bejagung nach Worten des Parasitologen sinnvoll, um das Risiko gering zu halten. Hierzu bedarf es einer Sondergenehmigung durch die zuständige Jagdbehörde.



Entwurmungsköder noch nicht praxisreif

Erfolgreich gegen den Fuchsbandwurm haben sich Entwurmungsköder erwiesen, die mit dem Flugzeug großflächig abgeworfen werden. Allerdings ist diese Methode nicht für menschliche Siedlungen geeignet. "Es gibt bereits vielversprechende Versuche mit der Handauslage von Entwurmungsködern in Dörfern", so Romig. Auch die Köder-Versuche in Zürich seien gut verlaufen. Die Methode sei jedoch noch nicht praxisreif, schränkt der Parasitologe ein.



Quelle: Deutscher Jagdschutz-Verband (DJV)


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