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    • Damit die Kinderstube nicht unter die Räder kommt

    Mit einem aufziehenden Gewitter im Hintergrund demonstriert Helmut Nickel im Grünberger Ortsteil Stockhausen diverse Warnmittel um Rehkitze, Hasen und Bodenbrüter vor dem Mähtod zu retten: An der Vogelscheuche hängt ein optisch-akustisches Warngerät herunter, oben auf der Vogelscheuche ist ein Windrad befestigt, Flatterbänder unterstützen die Abwehrgeräusche. Bild: v. Gallera

    • Landwirte müssen beim Abmähen der Wiesen aufpassen - Immer von innen nach außen

  • KREIS GIESSEN (cvg).
    "Eigentlich wäre das Gras jetzt höher. Aber durch die Trockenheit im April ist alles wesentlich niedriger gewachsen. Deswegen sind Rehe mit ihren Kitzen eher sichtbar. Insofern sind wir bisher nicht dazu gekommen, die Warnanlagen aufzustellen", sagt Helmut Nickel. Dennoch ist der Vorsitzende der Jägervereinigung Oberhessen (JVO) nicht der Ansicht, dass nun für dieses Jahr generell Entwarnung beim Abmähen von Wiesen und später bei der Getreideernte gegeben werden kann. "Weil die Wiesen so schütter sind, wählen viele Tiere andere Orte wie Getreidefelder oder Wälder, um ihre Jungen aufzuziehen", stellt Nickel fest. Dennoch gebe es immer noch kleine Insel mit der üblichen Grashöhe. "Deswegen konnten wir nicht wie geplant unseren Feldversuch mit neuen Warnmethoden so durchführen, um dadurch repräsentative Aussagen treffen zu können. Zur Vorsicht rate ich dennoch. Wer sein Feld abmäht, sollte dies von innen nach außen machen. Dadurch hat das Wild die Möglichkeit, noch rechtzeitig zu fliehen."
    Die JVO hatte auf der Jagdmesse in Alsfeld zwei Methoden zur Wildrettung vorgestellt. Zum einen wurde ein Gerät präsentiert, das optische und akustische Signale aussendet und zum anderen ein Geruchsstoff, der auf Filzstreifen aufgesprüht wird. Außerdem, so Nickel, können Wildtiere mit auf Stäben aufgesetzen Windrädern daran gehindert werden, sich eine Wiese als Kinderstube auszusuchen. Dies wurde im Vogelsberg mit Erfolg getestet. Wie Nickel sagt, handele es sich bei den Tieren, die Mähkreiseln zum Opfer fallen, vor allem um Rehkitze, Hasen und Bodenbrüter. "Werden Teile des getöteten Tieres dann mit dem Gras siliert, kann hinterher in der Silage das Bakterium Clostridium botulinum entstehen. Das wiederum kann Kühen gefährlich werden", warnt Nickel.
    Jährlich kämen durch die Frühjahrsmahd rund 500 000 Tiere ums Leben. Nickel verweist auf die neuere Rechtsprechung zum Tierschutz. Danach, so Nickel, müssen Landwirte geeignete Maßnahmen ergreifen, um Jungwild vor dem Mähtod zu retten. "Ansonsten ist mit empfindlichen Strafen zu rechnen", heißt es dazu ergänzend beim hessischen Landesjagdverband.

    Giessener Anzeiger 30.05.2007

 
 

Jägervereinigung Oberhessen e.V. startet 2. Offensive zur Wildrettung bei der Frühjahrsmahd

Drei "Eckpfeiler" sollen Jungtieren helfen: Information, Vergrämung und Ortung

Die Jägervereinigung Oberhessen appelliert auch in diesem Frühjahr wieder an Landwirte und Jäger, gemeinsam die Voraussetzungen zu schaffen, dass Jungwild bei der frühen Silage-Ernte vor dem Mähtod gerettet werden kann. Vielerorts ist es heutzutage glücklicherweise üblich, dass die Landwirte dem Revierinhaber rechtzeitig Bescheid geben, bevor sie mit der Mahd beginnen. Dann kann man Maßnahmen treffen, um den Tod oder die Verstümmelung zahlreicher Jungtiere zu vermeiden.
Bei den Opfern handelt sich vor allem um Rehkitze, Hasen und Bodenbrüter, deren einziger Schutz das "Verstecken", also die Deckung im hohen Gras ist. Rehe legen beispielsweise ihre Kitze in der ersten Lebenswoche gut getarnt im hohen Gras allein ab. Wenn sich ein Traktor einem Kitz nähert, rennt dieses nicht etwa weg - sondern drückt sich völlig regungslos zu Boden. Dieser vermeintliche Schutz wird dem Tier hier zum Verhängnis.
Ein Jungtier, das im hohen Gras liegt, kann von dem Landwirt beim Mähen nicht erkannt werden. Ideal zur Wildrettung wäre daher eine Sensorik, die am Traktor installiert alle Tiere erkennt, die sich im Mähbereich befinden. Dies ist jedoch immer noch Wunschdenken, denn die vorhandenen Geräte arbeiteten nicht zuverlässig und müssen von Hand getragen werden. Dies ist bei großen Mähflächen nicht möglich und sobald die Sonne den Boden erwärmt hat, funktionierten dies Geräte überhaupt nicht mehr. Man hat seit Jahren versucht, einen Hersteller zu finden, der eine zuverlässigere Sensorik, die auch den Fahrgeschwindigkeiten eines Traktors gerecht wird, bis zur Marktreife entwickelt. Dies ist jedoch immer wieder an den hohen Entwicklungskosten gescheitert, die weder ein Maschinenhersteller, noch die öffentliche Hand tragen will.
Eine sensorische Ortung ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit, um Jungtiere zu retten. Wir wollen jede Möglichkeit ausschöpfen und setzen daher bei der Rettung von Jungwild auf drei Eckpfeiler: Information, Vergrämung und Ortung". Auf die herkömmliche Wildscheuche zurückzugreifen, ist immer noch besser als gar nichts zu tun. Man muß jedoch beachten, dass diese nicht bereits tagelang vor dem Mäh-termin aufgestellt werden darf, da sich die Tiere daran gewöhnen. Eine neue Idee hat die Hegegemeinschaft Knüll propagiert, die auf "Windrädchen" setzt. 6 bis 8 Stück auf einem Hektar seien ausreichend. Die Wirkung wird momentan von der Jäger-vereinigung Oberhessen e.V. geprüft.
Derzeit wird von der Jägervereinigung auch ein Duftstoff, sowie ein Ultraschallgerät getestet. Dieses Gerät, das einen lästigen Hochfrequenz-Ton ausstrahlt, soll die Muttertiere veranlassen, ihre Jungen aus dem Gefahrenbereich zu entfernen. Dies gilt auch für die Anwendung des Duftstoffes. Schließlich kann man um sicher zu gehen, den Duftstoff auch noch mit einer Scheuche oder Windrädchen kombinieren. Nähere Auskünfte hierzu erteilt die Jägervereinigung.
Ist es zu spät, um im Vorfeld Maßnahmen zu ergreifen, bleibt nur noch die Suche durch den Landwirt selbst oder durch den Jäger mit dem Jagdhund übrig. Der speziell ausgebildete Vierbeiner verharrt dann regungslos in einigen Metern Entfer-nung vor dem Jungtier und zeigt damit an, wo sich der Nachwuchs des Wildes im Gras verbirgt.
Wird ein Rehkitz gefunden, darf es nur unter Zuhilfenahme von Grasbüscheln aus der Gefahrenzone weggetragen werden, damit ihm kein menschlicher Geruch anhaftet. Andernfalls würde die Rehmutter den Nachwuchs aufgrund seiner fremden Witterung nicht wieder erkennen und verstoßen. Das Kitz müsste dann jämmerlich verhungern.
Doch nicht nur Scheuchen und Geräte, sondern auch die richtige Mähtechnik kann viele Tiere - nicht nur Rehe, sondern auch Wiesenbrüter - vor dem Mähtod retten. Bei der herkömmlichen Methode "von außen nach innen" haben die Tiere kaum die Möglichkeit, zu flüchten. Sie laufen instinktiv ins Innere der Fläche und werden dort regelrecht eingekesselt. Besser ist: von innen nach außen mähen. Dazu muss der Landwirt sofort in das Innere der Parzelle fahren und dann links herum nach außen mähen. Dieses Verfahren bedeutet für den Landwirt keinen größeren Aufwand. Für die Tiere aber bedeutet es alles: Überleben!
Helmut Nickel

Vor der Mahd sind Vorsichtsmaßnahmen Pflicht
Der Tod kommt laut und schnell daher
In der freien Wildbahn jagen auch „Haustiere“



Informationsmaterial vom LJV Nordrhein-Westfallen

Mähskizze

Faltblatt

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